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Wahlen und Abstimmungen

Grüner Trend auch in Binningen angekommen

Gemeinderat vom 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2024: eine spannende Zusammensetzung im neuen Gemeinderat

Der schweizweite Trend zeigt sich auch in Binningen. So sind die Grünen Binningen mit einem Sitz wieder im Gemeinderat und gewinnen mit drei zusätzlichen und somit total acht Sitzen im Einwohnerrat deutlich an Stärke.
Gemeinderatswahlen
Mit Rahel Bänziger schaffen es die Grünen wieder in den Gemeinderat und folgen so dem schweizweiten Trend auf Kosten der SVP, welche mit dem Verlust von Christoph Anliker, keine Stimme mehr im Gemeinderat besitzt. Rahel Bänziger von den Grünen Binningen erreicht mehr Stimmen wie die bewährten Barbara Jost (SP) und Daniel Nyffenegger (FDP). Mike Keller (FDP) und Eva-Maria Bonetti (FDP) platzieren sich ganz vorne, gefolgt von Caroline Rietschi (SP) und Philippe Meerwein (SP).
Einwohnerratswahlen
Das gleiche Bild zeigt sich im Einwohnerrat, wo die Grünen ebenfalls ein Glanzresultat erreichen, indem sie 3 Sitze zusätzlich gewinnen und neu mit 8 Sitzen im Einwohnerrat vertreten sein werden. Ebenfalls glücklich über den Wahlausgang sein dürfte die EVP, welche jetzt wieder mit einem Sitz im Einwohnerrat vertreten ist.
Die Verlierer dieser Wahlen sind die FDP mit 11 Sitzen (minus 1 Sitz), die SP mit 9 Sitzen (minus 2 Sitze) und die SVP mit 8 Sitzen (minus 1 Sitz). Einzig unverändert blieb die CVP mit 4 Sitzen.


Mit den neu gewählten Gemeinderätinnen und Gemeinderäten im Gespräch
Der Binninger Anzeiger führte mit den neu gewählten Gemeinderäten ein kurzes Interview, wie sie den Wahlausgang beurteilen und welche Ziele sie sich für die kommende Amtsperiode gesteckt haben.


Binninger Anzeiger: Herzliche Gratulation zur Wahl. Im neu gewählten Gemeinderat gibt es Veränderungen, wie auch eine neue politische Sitzverteilung. War der Wahlausgang für Sie absehbar resp. was bedeutet das für die Zukunft Binningens?

Rahel Bänziger Keel: Die Binninger Bevölkerung wollte ganz klar eine Veränderung – dies hat sie mit ihrem Wahlverhalten deutlich zum Ausdruck gebracht. Dies haben wir bereits bei unseren Strassenaktionen im Gespräch mit vielen besorgten Menschen festgestellt. Das Klima und die Umwelt sind wichtiger geworden und die Leute sind bereit, etwas dafür zu tun. Zudem ist die Lärmbelastung in Binningen für viele ein grosses Problem, das unbedingt gelöst werden muss.
Für die Zukunft bedeutet dies, dass der Gemeinderat und seine Entscheide «grüner» werden. Dies wird sich auf die nächsten Projekte und die Entwicklung von Binningen auswirken.

Eva-Maria Bonetti: In den letzten Monaten fanden auf nationaler Ebene Verschiebungen statt. Es war davon auszugehen, dass es auch in Binningen Veränderungen geben wird. Zu sagen, was das für die Zukunft Binningen bedeutet, ist jetzt verfrüht. Im Gemeinderat geht es darum, als kollegiales Exekutivgremium Sachpolitik zu betreiben. Die Sache und die gemeinsame Erarbeitung von tragfähigen Lösungen stehen im Vordergrund. Dass die verschiedenen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sich aber auch ihrer politischen Gesinnung entsprechend einbringen, ist verständlich. In der aktuellen Legislatur haben wir eine bürgerliche Mehrheit, deren Fokus auf der Sicherstellung der hohen Lebensqualität in Binningen bei gleichzeitiger Beibehaltung eines attraktiven Steuerfusses liegt. Wir Bürgerliche werden uns dafür einsetzen, dass es auch so bleibt.

Barbara Jost Zürcher: Danke! Der Wahlausgang war schwer abzuschätzen und letztendlich ist das Resultat überraschend. Ich hatte mit vielem gerechnet, unter anderem mit dem Szenario, Rahel Bänziger könnte auf Kosten eines SP-Sitzes den Einzug in den Gemeinderat schaffen, oder mit einem zweiten Wahlgang, aber eigentlich war ich fast sicher, dass alle Bisherigen wieder gewählt werden. Dass ausgerechnet Christoph Anliker die Wiederwahl nicht schafft, tut mir sehr leid, das hat mit der Parteizugehörigkeit und nicht mit seiner Arbeit als Gemeinderat zu tun.
In Zukunft werden umwelt-, energie- und verkehrspolitische Projekte leichter umzusetzen sein, auch für soziale Anliegen sehe ich mehr Chancen.

Mike Keller: Sowohl bei den kantonalen als auch bei den nationalen Wahlen im vergangenen Jahr war absehbar, dass der Trend der Grünen auch bei den Kommunalwahlen in Binningen Auswirkungen haben wird. Als Parteipräsident der FDP Binningen-Bottmingen bin ich natürlich mit dem Ergebnis der FDP sehr zufrieden; sind wir doch in beiden Gemeinden die stärkste politische Kraft. Auch hat das Stimmvolk die drei bisherigen FDP-Gemeinderäte in Binningen bestätigt. Sehr gefreut hat mich auch, dass ich mit dem besten Wahlergebnis wiedergewählt worden bin. Sehr schmerzhaft ist jedoch der Umstand, dass der Einzug der Grünen Kandidatin in den Gemeinderat zulasten des bisherigen SVP Gemeinderats ausge-
fallen ist. Wie sich die neue Zusammensetzung des Gemeinderats mit drei FDP, drei SP und einer Grünen Vertreterin auf die politischen Geschäfte auswirken wird, ist schwer abzuschätzen. Denn einerseits ist ein grosser Teil der Gemeinderatsarbeit Sachpolitik. Andererseits sind die Grünen bei vielen Themen eher bürgerlich als links orientiert. Wie sich die neue Gemeinderätin im Gemeinderats-Kollegium einbringen wird, bin ich sehr gespannt. Zumindest in Umwelt- und Energiefragen dürften wir uns auf jeden Fall finden, denn ich bin ja beruflich selber als «Grüner» unterwegs.

Philippe Meerwein: Herzlichen Dank! Ich habe mit diesem Wahlergebnis so nicht gerechnet und war sehr überrascht. Bereits zum zweiten Mal erlebe ich eine Abwahl eines amtierenden Gemeinderats unter komplett anderen Vorzeichen. Die Politik ist stetig im Wandel und es gilt immer wieder Mehrheiten zu finden. Die wichtigen Entscheide für Binningen werden in den nächsten vier Jahren an der Urne entschieden, angefangen beim Finanzreglement, bei den Schulhausprojekten und bei der Bodenpolitik.


Daniel Nyffenegger: Herzlichen Dank für Ihre Gratulation zu meiner Wiederwahl in den Gemeinderat.
Von mir aus hätte diese Veränderung im Gemeinderat nicht sein müssen. Die Zusammenarbeit im bestehenden Team funktioniert grundsätzlich gut. Auch wenn heikle Themen diskutiert wurden, fand der amtierende Gemeinderat meistens eine konsensorientierte Lösung. Das vom Gesamt-Gemeinderat erarbeitete Leitbild 2030 belegt dies. Bis dato war ich der Meinung, dass Exekutivwahlen Persönlichkeitswahlen sind. Ich bedaure es sehr, dass die Gemeinderatswahlen am vergangenen Sonntag unnötigerweise parteipolitisch aufgeladen wurden. Das führte zur Abwahl von Christoph Anliker. Er leistet eine sehr gute Arbeit und hat die Abwahl ganz sicher nicht verdient. Absehbar war hingegen, dass es aufgrund zahlreicher Rücktritte zu parteipolitischen Verschiebungen im Einwohnerrat kommen würde.

Caroline Rietschi: Dieser Wahlausgang war für mich nicht absehbar und es tut mir auch sehr leid für Christoph Anliker. Er hat einen guten Job gemacht und wir haben auch sehr gut zusammengearbeitet. Aber offenbar hat die FDP das bürgerliche Ticket nicht so ernst gemeint und ihn fallen gelassen. Die Ausrichtung des neu zusammengesetzten Gemeinderates ist sicher ökologischer als bisher, und das ist sehr positiv.

Binninger Anzeiger: Welche Ziele haben Sie sich für die kommende Amtsperiode gesetzt?


Rahel Bänziger Keel: Die folgenden Punkte werden für mich die höchste Priorität haben:
– Es muss mehr für die Umwelt, das Klima und die Natur in Binningen getan werden.
– Menschen und Gesundheit müssen ins Zentrum gesetzt werden
– Ökologie und Nachhaltigkeit sollen wichtiger werden.
– Mehr Transparenz und bessere Kommunikation auf allen politischen Ebenen

Eva-Maria Bonetti: Es gibt sehr viele konkrete Ziele, die ich persönlich erreichen möchte. Da der neue Gemeinderat aber noch nicht konstituiert ist, ist es nicht angebracht, wenn ich mich hierüber im Detail äussere. Nur so viel: In meinem Ressort Hochbau und Ortsplanung haben wir die letzten Jahre sehr viel an Vorarbeit investiert in diverse Projekte, z.B. Teilzonenplan Zentrum, um nur ein Beispiel zu nennen. Dieses Projekt sollte in der nächsten Legislatur erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. Ebenso steht die Arealentwicklung Spiesshöfli an. Und es gäbe noch viele Projekte, die ich hier nennen könnte. Mein grösstes Ziel ist jedoch, dass ich mit meinem Einsatz helfen kann, Binningen weiter zu entwickeln. Binningen mitzugestalten, damit sich die Einwohnerinnen und Einwohner auch in Zukunft hier zu Hause fühlen, mich als eine Gemeinderätin einzubringen, die den Anspruch hat, in Chancen zu denken, tragfähige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Eine Gemeinderätin zu sein, die die Ärmel hochkrempelt und zupackt, ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung hat. Dies ist die Art, wie ich versucht habe, mich in der bisherigen Legislatur einzubringen. Ich freue mich sehr, dass ich durch die Wiederwahl die Gelegenheit erhalten habe, dies fortzuführen und Mitgestalterin unseres zukünftigen Binningens sein darf.

Barbara Jost Zürcher: Wir stecken mitten im Aufbau der Versorgungsregion für das Alter. Wenn der Vertrag der Gemeinden steht, kann ich mich verstärkt der inhaltlichen Arbeit widmen und darauf freue ich mich. Ich will in der Pflege und auch in der Betreuung Angebote in guter Qualität erhalten und neue Angebote ermöglichen, die ein selbstbestimmtes Leben für die (hoch)betagte Bevölkerung erlauben. Diese sollen den Bedürfnissen der älteren Personen und deren Angehörigen entsprechen. Wir brauchen in Binningen mehr Wohnraum, der den Anforderungen des selbständigen Alterns gerecht wird, betreutes Wohnen oder «Wohnen mit Service», und zwar bezahlbar. Seit letztem Jahr sind wir auf verschiedenen Ebenen daran, die Freiwilligenarbeit zu stärken, hier entsteht mit Einbezug der Binninger*innen eine lebendige Plattform. Unterwegs mit unserem roten Sitzbänkli habe ich viele gute Inputs erhalten zur Gestaltung des öffentlichen Raumes – für Kinder, Familien und ältere Personen!

Mike Keller: Ich möchte sehr gerne als Gemeindepräsident den Gemeinderat in die neue Legislatur führen und mich noch eine Amtsperiode (auf jeden Fall meine letzte) mit Herzblut für die Belange von Binningen und für Binningen engagieren dürfen. Das Wahlergebnis der Gemeinderatswahlen motiviert mich dazu zusätzlich. Zudem wäre es mir ein grosses Bedürfnis, die wirklich tolle und kollegiale Zusammenarbeit mit den bisherigen Gemeinderatsmitgliedern fortführen zu können.
Denn in den Sachfragen war es selten der Fall, dass Stichentscheide gefällt wurden. Wir haben sehr oft versucht, politisch ausgewogene Lösungen miteinander zu suchen. Das wiederspiegelt auch der Umstand, dass Binningen aktuell sehr gut dasteht und in vielen Belangen für andere Baselbieter Gemeinden eine Vorbildgemeinde ist. Dass das Parlament oft kontrovers über die Anträge des Gemeinderats diskutiert, ist normal und auch ein Teil des politischen Prozesses. In der neuen Legislatur möchte ich auf jeden Fall die angestossene Zukunftsentwicklung vorantreiben und konkretisieren. Das Gebiet Spiesshöfli möchte ich zu einem modernen Wohnquartier für Familien und das Zentrum Dorf zu einem echten Begegnungs- und Lebensmittelpunkt unserer Gemeinde entwickeln. Solche Projekte dauern oft viele Jahre, bis sie vollendet werden. Mein Wille ist es, bis zum Ende der neuen Legislatur die Rahmenbedingungen und Entscheide für deren Realisierung herbeigeführt zu haben. Das zweite Kernziel habe ich bei den Finanzen. Trotz den anstehenden Investitionen für die Gemeindeliegenschaften (mitunter das neue Schulhaus Dorf) will ich, dass Binningen eine der steuergünstigsten und attraktivsten Baselbieter Gemeinden bleibt. Hier ist ein unternehmerisches Denken und Handeln gefragt. Hierzu darf ich auf meine beruflichen Erfahrungen zurückgreifen.

Philippe Meerwein: Zuoberst auf der Liste steht das grüne Licht für die Erweiterung des Schulcampus Dorf, gefolgt von der Erweiterung der Primarschulanlage Meiriacker und der erfolgreichen Sanierung des Schulhaus Mühlematt in zwei Etappen im Sommer 2020 und Sommer 2021. Zudem gilt es, die Primaschule mit genügend Ressourcen auszustatten, damit eine langfristig ausgerichtete Schulentwicklung wieder möglich wird. Ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt, ist das dreijährige Pilotprojekt (2020-2023) zur frühen Sprachförderung ein Jahr vor dem Kindergarten zur Erhöhung der Chancengleichheit in der Bildung. Natürlich gibt es noch weitere Ziele in anderen Produktegruppen, die wir jedoch zuerst im Gemeinderat aushandeln müssen.

Daniel Nyffenegger: Der Gemeinderat wird die neuen Legislaturziele aufgrund des erarbeiteten Leitbildes 2030 der Gemeinde Binningen festlegen. Es stehen wichtige Projekte an. Persönlich wünsche ich mir eine deutlich bessere Zusammenarbeit zwischen dem Gemeinderat und dem Einwohnerrat, als dies in der zu Ende gehenden Legislatur der Fall war.

Caroline Rietschi: An erster Stelle stehen der neue Werkhof und die erneuerbare Wärmeversorgung. Daneben geht es um die Aufwertung des öffentlichen Raumes, sei es mit einem Sitzbankkonzept, mit einer attraktiveren Hauptstrasse, mit der Förderung ökologischer Mobilitätsformen oder mit lärmmindernder Strassengestaltung. Im meinen Geschäftskreis geht einem die Arbeit nie aus, und es gibt ja auch in den anderen Bereichen wichtige Ziele zu erreichen. ns

Details der Wahlen

Volksinitiative
«Mehr bezahlbare Wohnungen»

Die Volksinitiative wurde von Binningen mit 58.23% abgelehnt.

Details der Resultate


Volksinitiative
«Änderung Strafgesetzbuch und Militärstrafgesetz»

Die Volksinitiative wurde von Binningen mit 65,33% angenommen.

Details der Resultate

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Mit Rahel Bänziger schaffen es die Grünen wieder in den Gemeinderat und folgen so dem schweizweiten Trend auf Kosten der SVP, welche mit dem Verlust von Christoph Anliker, keine Stimme mehr im Gemeinderat besitzt. Rahel Bänziger von den Grünen Binningen erreicht mehr Stimmen wie die bewährten Barbara Jost (SP) und Daniel Nyffenegger (FDP). Mike Keller (FDP) und Eva-Maria Bonetti (FDP) platzieren sich ganz vorne, gefolgt von Caroline Rietschi (SP) und Philippe Meerwein (SP).
Einwohnerratswahlen
Das gleiche Bild zeigt sich im Einwohnerrat, wo die Grünen ebenfalls ein Glanzresultat erreichen, indem sie 3 Sitze zusätzlich gewinnen und neu mit 8 Sitzen im Einwohnerrat vertreten sein werden. Ebenfalls glücklich über den Wahlausgang sein dürfte die EVP, welche jetzt wieder mit einem Sitz im Einwohnerrat vertreten ist.
Die Verlierer dieser Wahlen sind die FDP mit 11 Sitzen (minus 1 Sitz), die SP mit 9 Sitzen (minus 2 Sitze) und die SVP mit 8 Sitzen (minus 1 Sitz). Einzig unverändert blieb die CVP mit 4 Sitzen.


Mit den neu gewählten Gemeinderätinnen und Gemeinderäten im Gespräch
Der Binninger Anzeiger führte mit den neu gewählten Gemeinderäten ein kurzes Interview, wie sie den Wahlausgang beurteilen und welche Ziele sie sich für die kommende Amtsperiode gesteckt haben.


Binninger Anzeiger: Herzliche Gratulation zur Wahl. Im neu gewählten Gemeinderat gibt es Veränderungen, wie auch eine neue politische Sitzverteilung. War der Wahlausgang für Sie absehbar resp. was bedeutet das für die Zukunft Binningens?

Rahel Bänziger Keel: Die Binninger Bevölkerung wollte ganz klar eine Veränderung – dies hat sie mit ihrem Wahlverhalten deutlich zum Ausdruck gebracht. Dies haben wir bereits bei unseren Strassenaktionen im Gespräch mit vielen besorgten Menschen festgestellt. Das Klima und die Umwelt sind wichtiger geworden und die Leute sind bereit, etwas dafür zu tun. Zudem ist die Lärmbelastung in Binningen für viele ein grosses Problem, das unbedingt gelöst werden muss.
Für die Zukunft bedeutet dies, dass der Gemeinderat und seine Entscheide «grüner» werden. Dies wird sich auf die nächsten Projekte und die Entwicklung von Binningen auswirken.

Eva-Maria Bonetti: In den letzten Monaten fanden auf nationaler Ebene Verschiebungen statt. Es war davon auszugehen, dass es auch in Binningen Veränderungen geben wird. Zu sagen, was das für die Zukunft Binningen bedeutet, ist jetzt verfrüht. Im Gemeinderat geht es darum, als kollegiales Exekutivgremium Sachpolitik zu betreiben. Die Sache und die gemeinsame Erarbeitung von tragfähigen Lösungen stehen im Vordergrund. Dass die verschiedenen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sich aber auch ihrer politischen Gesinnung entsprechend einbringen, ist verständlich. In der aktuellen Legislatur haben wir eine bürgerliche Mehrheit, deren Fokus auf der Sicherstellung der hohen Lebensqualität in Binningen bei gleichzeitiger Beibehaltung eines attraktiven Steuerfusses liegt. Wir Bürgerliche werden uns dafür einsetzen, dass es auch so bleibt.

Barbara Jost Zürcher: Danke! Der Wahlausgang war schwer abzuschätzen und letztendlich ist das Resultat überraschend. Ich hatte mit vielem gerechnet, unter anderem mit dem Szenario, Rahel Bänziger könnte auf Kosten eines SP-Sitzes den Einzug in den Gemeinderat schaffen, oder mit einem zweiten Wahlgang, aber eigentlich war ich fast sicher, dass alle Bisherigen wieder gewählt werden. Dass ausgerechnet Christoph Anliker die Wiederwahl nicht schafft, tut mir sehr leid, das hat mit der Parteizugehörigkeit und nicht mit seiner Arbeit als Gemeinderat zu tun.
In Zukunft werden umwelt-, energie- und verkehrspolitische Projekte leichter umzusetzen sein, auch für soziale Anliegen sehe ich mehr Chancen.

Mike Keller: Sowohl bei den kantonalen als auch bei den nationalen Wahlen im vergangenen Jahr war absehbar, dass der Trend der Grünen auch bei den Kommunalwahlen in Binningen Auswirkungen haben wird. Als Parteipräsident der FDP Binningen-Bottmingen bin ich natürlich mit dem Ergebnis der FDP sehr zufrieden; sind wir doch in beiden Gemeinden die stärkste politische Kraft. Auch hat das Stimmvolk die drei bisherigen FDP-Gemeinderäte in Binningen bestätigt. Sehr gefreut hat mich auch, dass ich mit dem besten Wahlergebnis wiedergewählt worden bin. Sehr schmerzhaft ist jedoch der Umstand, dass der Einzug der Grünen Kandidatin in den Gemeinderat zulasten des bisherigen SVP Gemeinderats ausge-
fallen ist. Wie sich die neue Zusammensetzung des Gemeinderats mit drei FDP, drei SP und einer Grünen Vertreterin auf die politischen Geschäfte auswirken wird, ist schwer abzuschätzen. Denn einerseits ist ein grosser Teil der Gemeinderatsarbeit Sachpolitik. Andererseits sind die Grünen bei vielen Themen eher bürgerlich als links orientiert. Wie sich die neue Gemeinderätin im Gemeinderats-Kollegium einbringen wird, bin ich sehr gespannt. Zumindest in Umwelt- und Energiefragen dürften wir uns auf jeden Fall finden, denn ich bin ja beruflich selber als «Grüner» unterwegs.

Philippe Meerwein: Herzlichen Dank! Ich habe mit diesem Wahlergebnis so nicht gerechnet und war sehr überrascht. Bereits zum zweiten Mal erlebe ich eine Abwahl eines amtierenden Gemeinderats unter komplett anderen Vorzeichen. Die Politik ist stetig im Wandel und es gilt immer wieder Mehrheiten zu finden. Die wichtigen Entscheide für Binningen werden in den nächsten vier Jahren an der Urne entschieden, angefangen beim Finanzreglement, bei den Schulhausprojekten und bei der Bodenpolitik.


Daniel Nyffenegger: Herzlichen Dank für Ihre Gratulation zu meiner Wiederwahl in den Gemeinderat.
Von mir aus hätte diese Veränderung im Gemeinderat nicht sein müssen. Die Zusammenarbeit im bestehenden Team funktioniert grundsätzlich gut. Auch wenn heikle Themen diskutiert wurden, fand der amtierende Gemeinderat meistens eine konsensorientierte Lösung. Das vom Gesamt-Gemeinderat erarbeitete Leitbild 2030 belegt dies. Bis dato war ich der Meinung, dass Exekutivwahlen Persönlichkeitswahlen sind. Ich bedaure es sehr, dass die Gemeinderatswahlen am vergangenen Sonntag unnötigerweise parteipolitisch aufgeladen wurden. Das führte zur Abwahl von Christoph Anliker. Er leistet eine sehr gute Arbeit und hat die Abwahl ganz sicher nicht verdient. Absehbar war hingegen, dass es aufgrund zahlreicher Rücktritte zu parteipolitischen Verschiebungen im Einwohnerrat kommen würde.

Caroline Rietschi: Dieser Wahlausgang war für mich nicht absehbar und es tut mir auch sehr leid für Christoph Anliker. Er hat einen guten Job gemacht und wir haben auch sehr gut zusammengearbeitet. Aber offenbar hat die FDP das bürgerliche Ticket nicht so ernst gemeint und ihn fallen gelassen. Die Ausrichtung des neu zusammengesetzten Gemeinderates ist sicher ökologischer als bisher, und das ist sehr positiv.

Binninger Anzeiger: Welche Ziele haben Sie sich für die kommende Amtsperiode gesetzt?


Rahel Bänziger Keel: Die folgenden Punkte werden für mich die höchste Priorität haben:
– Es muss mehr für die Umwelt, das Klima und die Natur in Binningen getan werden.
– Menschen und Gesundheit müssen ins Zentrum gesetzt werden
– Ökologie und Nachhaltigkeit sollen wichtiger werden.
– Mehr Transparenz und bessere Kommunikation auf allen politischen Ebenen

Eva-Maria Bonetti: Es gibt sehr viele konkrete Ziele, die ich persönlich erreichen möchte. Da der neue Gemeinderat aber noch nicht konstituiert ist, ist es nicht angebracht, wenn ich mich hierüber im Detail äussere. Nur so viel: In meinem Ressort Hochbau und Ortsplanung haben wir die letzten Jahre sehr viel an Vorarbeit investiert in diverse Projekte, z.B. Teilzonenplan Zentrum, um nur ein Beispiel zu nennen. Dieses Projekt sollte in der nächsten Legislatur erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. Ebenso steht die Arealentwicklung Spiesshöfli an. Und es gäbe noch viele Projekte, die ich hier nennen könnte. Mein grösstes Ziel ist jedoch, dass ich mit meinem Einsatz helfen kann, Binningen weiter zu entwickeln. Binningen mitzugestalten, damit sich die Einwohnerinnen und Einwohner auch in Zukunft hier zu Hause fühlen, mich als eine Gemeinderätin einzubringen, die den Anspruch hat, in Chancen zu denken, tragfähige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Eine Gemeinderätin zu sein, die die Ärmel hochkrempelt und zupackt, ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung hat. Dies ist die Art, wie ich versucht habe, mich in der bisherigen Legislatur einzubringen. Ich freue mich sehr, dass ich durch die Wiederwahl die Gelegenheit erhalten habe, dies fortzuführen und Mitgestalterin unseres zukünftigen Binningens sein darf.

Barbara Jost Zürcher: Wir stecken mitten im Aufbau der Versorgungsregion für das Alter. Wenn der Vertrag der Gemeinden steht, kann ich mich verstärkt der inhaltlichen Arbeit widmen und darauf freue ich mich. Ich will in der Pflege und auch in der Betreuung Angebote in guter Qualität erhalten und neue Angebote ermöglichen, die ein selbstbestimmtes Leben für die (hoch)betagte Bevölkerung erlauben. Diese sollen den Bedürfnissen der älteren Personen und deren Angehörigen entsprechen. Wir brauchen in Binningen mehr Wohnraum, der den Anforderungen des selbständigen Alterns gerecht wird, betreutes Wohnen oder «Wohnen mit Service», und zwar bezahlbar. Seit letztem Jahr sind wir auf verschiedenen Ebenen daran, die Freiwilligenarbeit zu stärken, hier entsteht mit Einbezug der Binninger*innen eine lebendige Plattform. Unterwegs mit unserem roten Sitzbänkli habe ich viele gute Inputs erhalten zur Gestaltung des öffentlichen Raumes – für Kinder, Familien und ältere Personen!

Mike Keller: Ich möchte sehr gerne als Gemeindepräsident den Gemeinderat in die neue Legislatur führen und mich noch eine Amtsperiode (auf jeden Fall meine letzte) mit Herzblut für die Belange von Binningen und für Binningen engagieren dürfen. Das Wahlergebnis der Gemeinderatswahlen motiviert mich dazu zusätzlich. Zudem wäre es mir ein grosses Bedürfnis, die wirklich tolle und kollegiale Zusammenarbeit mit den bisherigen Gemeinderatsmitgliedern fortführen zu können.
Denn in den Sachfragen war es selten der Fall, dass Stichentscheide gefällt wurden. Wir haben sehr oft versucht, politisch ausgewogene Lösungen miteinander zu suchen. Das wiederspiegelt auch der Umstand, dass Binningen aktuell sehr gut dasteht und in vielen Belangen für andere Baselbieter Gemeinden eine Vorbildgemeinde ist. Dass das Parlament oft kontrovers über die Anträge des Gemeinderats diskutiert, ist normal und auch ein Teil des politischen Prozesses. In der neuen Legislatur möchte ich auf jeden Fall die angestossene Zukunftsentwicklung vorantreiben und konkretisieren. Das Gebiet Spiesshöfli möchte ich zu einem modernen Wohnquartier für Familien und das Zentrum Dorf zu einem echten Begegnungs- und Lebensmittelpunkt unserer Gemeinde entwickeln. Solche Projekte dauern oft viele Jahre, bis sie vollendet werden. Mein Wille ist es, bis zum Ende der neuen Legislatur die Rahmenbedingungen und Entscheide für deren Realisierung herbeigeführt zu haben. Das zweite Kernziel habe ich bei den Finanzen. Trotz den anstehenden Investitionen für die Gemeindeliegenschaften (mitunter das neue Schulhaus Dorf) will ich, dass Binningen eine der steuergünstigsten und attraktivsten Baselbieter Gemeinden bleibt. Hier ist ein unternehmerisches Denken und Handeln gefragt. Hierzu darf ich auf meine beruflichen Erfahrungen zurückgreifen.

Philippe Meerwein: Zuoberst auf der Liste steht das grüne Licht für die Erweiterung des Schulcampus Dorf, gefolgt von der Erweiterung der Primarschulanlage Meiriacker und der erfolgreichen Sanierung des Schulhaus Mühlematt in zwei Etappen im Sommer 2020 und Sommer 2021. Zudem gilt es, die Primaschule mit genügend Ressourcen auszustatten, damit eine langfristig ausgerichtete Schulentwicklung wieder möglich wird. Ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt, ist das dreijährige Pilotprojekt (2020-2023) zur frühen Sprachförderung ein Jahr vor dem Kindergarten zur Erhöhung der Chancengleichheit in der Bildung. Natürlich gibt es noch weitere Ziele in anderen Produktegruppen, die wir jedoch zuerst im Gemeinderat aushandeln müssen.

Daniel Nyffenegger: Der Gemeinderat wird die neuen Legislaturziele aufgrund des erarbeiteten Leitbildes 2030 der Gemeinde Binningen festlegen. Es stehen wichtige Projekte an. Persönlich wünsche ich mir eine deutlich bessere Zusammenarbeit zwischen dem Gemeinderat und dem Einwohnerrat, als dies in der zu Ende gehenden Legislatur der Fall war.

Caroline Rietschi: An erster Stelle stehen der neue Werkhof und die erneuerbare Wärmeversorgung. Daneben geht es um die Aufwertung des öffentlichen Raumes, sei es mit einem Sitzbankkonzept, mit einer attraktiveren Hauptstrasse, mit der Förderung ökologischer Mobilitätsformen oder mit lärmmindernder Strassengestaltung. Im meinen Geschäftskreis geht einem die Arbeit nie aus, und es gibt ja auch in den anderen Bereichen wichtige Ziele zu erreichen. ns

Details der Wahlen

Volksinitiative
«Mehr bezahlbare Wohnungen»

Die Volksinitiative wurde von Binningen mit 58.23% abgelehnt.

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